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Tola W.
Mein Name ist Tola W.,
Polin aus Lodz.
Ich möchte Ihnen eine Beschreibung vorlegen, die mir seit Jahren
am Herzen liegt, und plagt mich nächtelang.
Ich war 16 Jahre alt, wann die ganze Hetzerei anfing. Mein Geburtsort
war Lodz (Litzmanstadt). Lodz war ein ganz besonderes ... grausames
Ghetto, der Hunger, die Kälte waren unbeschreiblich, Typhus,
T.B.C., alles mögliche. Es war die richtige "Hölle". Als
wir nach vier Jahren Ghetto durch Auschwitz nach Bremen ankamen,
waren wir schon vollkommen zermürbt, Skelette, die nur eine
Vision haben, etwas Eßbares zu bekommen.
Wir waren zuhause eine große mit Traditionen patriarchalische
Familie. Fünf Geschwister, Eltern, Onkel, Tanten und Großeltern.
Ein jüngerer Bruder und ich sind nur am Leben, alles ist leider...
Der Transport verlief grauenhaft und bestialisch. Wir waren eingesperrt
wie Tiere, 60 bis 100 in einen Waggon, nur stehend, das Weinen von
Kindern, die Hitze, es war August 1944. Das Brüllen von den
SS-Männern. Ich glaube, daß wir alle waren wie von Sinnen.
Wir waren einige Tage in Auschwitz. Das war ein böser Traum,
was ich absichtlich vertreibe, sonst kann ich nicht weitermachen.
In Auschwitz, nackt, geschlagen, mit einem Stück von Bekleidung
sind wir nach Bremen angekommen. Der erste Lagerführer war
eine Bestie. Wir waren als "Dreck" angesehen. Wie wir uns in diesem
Zustand auch fühlen. Zu unserem Glück wurde der Lagerführer
mit einem älteren und nicht so grausamen getauscht. Unsere
Baracken bestanden aus kleinen Zimmern, wo in jedem Zimmer ca. 50
Mädchen, drei auf einer Pritsche waren.
Derb Tag begann um 4 Uhr morgens mit Zählappell. Vorher bekamen
wir etwas heiß gefärbtes Wasser, leider konnten wir etwas
nur kalt genießen, da wir stets zu spät kamen, denn wir
waren mit dem Gerademachen der Pritsche beschäftigt, wenn es
nicht vollkommen gerade war bekamen wir Straf. Wir waren in "Kommandos"
eingeteilt, mit Schaufel ausgestattet. Unsere Arbeit bestand, den
Schnee und Bomben Trümmer zu reinigen. Es gab Männer und
Frauen Posten. Einige Männer Posten haben sogar hier und da
Gefühle gezeigt, was man auf die Frauen nicht sagen kann. Wir
hatten eine besonders schlechte Frauen Posten, ich glaube sie hieß
"Klete" oder "Käte". Wir nannten sie das Pferd, da sie uns
mit ihren Stiefeln in Bauch getreten hat.
Wir sollten zur Arbeitsstelle fahren, aber es gab keine Bahn, so
mußten wir lange in finster und Kälte laufen, die Holzschuhe
waren 43 Nr, meine Nr. ist 37. So trampelten wir in Lumpen, unser
Ansehen war wirklich widerlich. Wir waren junge Mädchen, unter
uns waren hübsche, sogar inteligente Gesichter, aber der Eindruck
war entsetzlich "Dreck". Nach dem heißen Wasser am Morgen
bekamen wir während dem ganzen Tag kein Essen, sondern erst
als wir nach "Hause" kamen wurde uns die sogenannte Suppe mit ein
Stück Brot gegeben, das eigentlich für den Frühstück
reichen sollte, aber keine hatte die Kraft, das Brot zu lassen.
So waren wir gewissermaßen auf die Bevölkerung angewiesen.
Tatsächlich bekamen wir ab und zu Kleinigkeiten zugeworfen,
es waren auch manchmal größere Fange.
Die Leute waren schon des Krieges müde und zeigten mehr Verständnis.
Manche sadistische Frauen Posten haben uns halb tot geschlagen wegen
eine aufgehobene Rübe, Kartoffel oder abgebissene Äpfel.
Die Verhältnisse der Frauen untereinander waren gut, relativ,
wir wußten, daß wir zusammenhalten mußten, sonst
krepieren wir. In Bremen war eine Krankenstation, eine Ärztin.
Aber krank zu sein war Luxus, das erlaubte ich mir nie, wer krank
war, war tot.
Meine Angehörigen sind alle tot. Ich und mein Bruder leben
in Israel. Ich habe zwei Töchter, eine Dr. Biologie, die zweite
Lehrerin im Gymnasium, verheiratet. Ich habe kein Beruf. Ich habe
mich sehr langsam aufgebaut. Ich habe sehr harte Zeiten unter sich.
Alles die Kinder sollten wenigstens Menschen werden. Ich habe eine
Obsesion ich lese sehr viel. Das habe ich immer getan, das ist meine
Education.
Bergen-Belsen, das war Agonie. Wir waren von Bremen nach Belsen
deportiert, ohne zu wissen wohin, aber wir wußten, das ist
die Endstation. Es ist mir sehr wichtig, daß unsere Nachkommen
die tragischen Zeiten nicht vergessen, daher bin ich bereit für
jede Information.
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