Die Lohnforderungen der NS-Zwangsarbeiter
  Der Sachverhalt  
Die Dokumentation    
  Die Bundesstiftung    
  Aktuelles    
  Gesetze und Entwürfe    
  Prozesse und Urteile    
  Firmen    
  Der Bund    
  NS-Geschichte    
    Biografien  
    Nürnberger Prozesse    
    Dokumente    
    über Albert Speer    
     
  |  Literaturverzeichnis    
  |  Suche    
  |  Gästebuch    
  |  Adressen / Unterstützung    
  |  Impressum    
    |  Site-Map    
       
Zum AnfangZurückWeiter

    Zwangsarbeiterin in Bremen

3/4

   

Tola W.

Mein Name ist Tola W., Polin aus Lodz.
Ich möchte Ihnen eine Beschreibung vorlegen, die mir seit Jahren am Herzen liegt, und plagt mich nächtelang.
Ich war 16 Jahre alt, wann die ganze Hetzerei anfing. Mein Geburtsort war Lodz (Litzmanstadt). Lodz war ein ganz besonderes ... grausames Ghetto, der Hunger, die Kälte waren unbeschreiblich, Typhus, T.B.C., alles mögliche. Es war die richtige "Hölle". Als wir nach vier Jahren Ghetto durch Auschwitz nach Bremen ankamen, waren wir schon vollkommen zermürbt, Skelette, die nur eine Vision haben, etwas Eßbares zu bekommen.
Wir waren zuhause eine große mit Traditionen patriarchalische Familie. Fünf Geschwister, Eltern, Onkel, Tanten und Großeltern. Ein jüngerer Bruder und ich sind nur am Leben, alles ist leider...
Der Transport verlief grauenhaft und bestialisch. Wir waren eingesperrt wie Tiere, 60 bis 100 in einen Waggon, nur stehend, das Weinen von Kindern, die Hitze, es war August 1944. Das Brüllen von den SS-Männern. Ich glaube, daß wir alle waren wie von Sinnen.

Wir waren einige Tage in Auschwitz. Das war ein böser Traum, was ich absichtlich vertreibe, sonst kann ich nicht weitermachen. In Auschwitz, nackt, geschlagen, mit einem Stück von Bekleidung sind wir nach Bremen angekommen. Der erste Lagerführer war eine Bestie. Wir waren als "Dreck" angesehen. Wie wir uns in diesem Zustand auch fühlen. Zu unserem Glück wurde der Lagerführer mit einem älteren und nicht so grausamen getauscht. Unsere Baracken bestanden aus kleinen Zimmern, wo in jedem Zimmer ca. 50 Mädchen, drei auf einer Pritsche waren.
Derb Tag begann um 4 Uhr morgens mit Zählappell. Vorher bekamen wir etwas heiß gefärbtes Wasser, leider konnten wir etwas nur kalt genießen, da wir stets zu spät kamen, denn wir waren mit dem Gerademachen der Pritsche beschäftigt, wenn es nicht vollkommen gerade war bekamen wir Straf. Wir waren in "Kommandos" eingeteilt, mit Schaufel ausgestattet. Unsere Arbeit bestand, den Schnee und Bomben Trümmer zu reinigen. Es gab Männer und Frauen Posten. Einige Männer Posten haben sogar hier und da Gefühle gezeigt, was man auf die Frauen nicht sagen kann. Wir hatten eine besonders schlechte Frauen Posten, ich glaube sie hieß "Klete" oder "Käte". Wir nannten sie das Pferd, da sie uns mit ihren Stiefeln in Bauch getreten hat.

Wir sollten zur Arbeitsstelle fahren, aber es gab keine Bahn, so mußten wir lange in finster und Kälte laufen, die Holzschuhe waren 43 Nr, meine Nr. ist 37. So trampelten wir in Lumpen, unser Ansehen war wirklich widerlich. Wir waren junge Mädchen, unter uns waren hübsche, sogar inteligente Gesichter, aber der Eindruck war entsetzlich "Dreck". Nach dem heißen Wasser am Morgen bekamen wir während dem ganzen Tag kein Essen, sondern erst als wir nach "Hause" kamen wurde uns die sogenannte Suppe mit ein Stück Brot gegeben, das eigentlich für den Frühstück reichen sollte, aber keine hatte die Kraft, das Brot zu lassen. So waren wir gewissermaßen auf die Bevölkerung angewiesen. Tatsächlich bekamen wir ab und zu Kleinigkeiten zugeworfen, es waren auch manchmal größere Fange.
Die Leute waren schon des Krieges müde und zeigten mehr Verständnis. Manche sadistische Frauen Posten haben uns halb tot geschlagen wegen eine aufgehobene Rübe, Kartoffel oder abgebissene Äpfel.
Die Verhältnisse der Frauen untereinander waren gut, relativ, wir wußten, daß wir zusammenhalten mußten, sonst krepieren wir. In Bremen war eine Krankenstation, eine Ärztin. Aber krank zu sein war Luxus, das erlaubte ich mir nie, wer krank war, war tot.
Meine Angehörigen sind alle tot. Ich und mein Bruder leben in Israel. Ich habe zwei Töchter, eine Dr. Biologie, die zweite Lehrerin im Gymnasium, verheiratet. Ich habe kein Beruf. Ich habe mich sehr langsam aufgebaut. Ich habe sehr harte Zeiten unter sich. Alles die Kinder sollten wenigstens Menschen werden. Ich habe eine Obsesion ich lese sehr viel. Das habe ich immer getan, das ist meine Education.
Bergen-Belsen, das war Agonie. Wir waren von Bremen nach Belsen deportiert, ohne zu wissen wohin, aber wir wußten, das ist die Endstation. Es ist mir sehr wichtig, daß unsere Nachkommen die tragischen Zeiten nicht vergessen, daher bin ich bereit für jede Information.

 

   
Zum AnfangZurückNach obenWeiter