Die Lohnforderungen der NS-Zwangsarbeiter
  Der Sachverhalt  
Die Dokumentation    
  Die Bundesstiftung    
  Aktuelles    
  Gesetze und Entwürfe    
  Prozesse und Urteile    
  Firmen    
  Der Bund    
  NS-Geschichte    
    Biografien  
    Nürnberger Prozesse    
    Dokumente    
    über Albert Speer    
     
  |  Literaturverzeichnis    
  |  Suche    
  |  Gästebuch    
  |  Adressen / Unterstützung    
  |  Impressum    
    |  Site-Map    
       
Zum AnfangZurückWeiter

    Zwangsarbeiterin in Bremen

2/4

   

Malka B.

Es ist mir zwar sehr schwer über dieses Thema zu schreiben, aber nachdem die Zahl der Zeugen des Holocausts immer weniger werden, fühle ich mich verpflichtet, dennoch auf ihre Fragen zu antworten. Mein Name kann ruhig bemerkt werden, da ich nichts zu verheimlichen habe.
Mein Name ist Malka B. Ich war zur Zeit der Verfolgungen unverheiratet und hatte noch keinen Beruf. Vor dem Kriege wohnte ich in Békéscsaba in Ungarn. Im April 1944 wurde das Ghetto Békéscsaba errichtet, wohin ich mit allen Juden der Stadt eingeliefert wurde.
Von diesem Sammellager wurde ich nach Auschwitz transportiert. Während der Fahrt wurde uns mitgeteilt, daß wir in ein Arbeitslager kommen werden. Was wir am Ende der Fahrt erlebten, ist mir heute, nach so vielen Jahren immer noch unmöglich davon zu sprechen.
Die Erschütterung von der Grausamkeit des Empfanges war so schrecklich und hinterließ in mir so einen tiefen, schmerzlichen Eindruck, daß ich davon unmöglich sprechen kann.
Nie wußten wir was uns bevorstand. Wir wurden nicht als menschliche Wesen betrachtet, hatten keinen Namen. Wir waren nur ein Objekt von Mißhandlungen und verschiedenen Peinigungen.
Ohne uns etwas mitzuteilen, wurden wir wieder selektiert, und wie Vieh einwaggoniert, ohne uns etwas von dem, was uns bevorsteht mitzuteilen. Um zwei Uhr in der Nacht wurden wir durch das Bellen der SS aus dem Waggon geschmissen, zu Kolonnen aufgereiht, und mußten wiedermal hungrig, durstig, seelisch und physisch gebrochen, weiter marschieren, ohne zu wissen, welche Grausamkeit wir wieder erleben werden.
Nach einem langen Marsch wurden wir in ein Pferdestall unterbracht, und das war unser neues "Heim". Nach unserem ersten Arbeitstag erfuhren wir zufällig, daß wir in Bremen sind.
Wir schliefen auf dreistöckigen Schlafgestellen. Wir waren nie satt. Wir hatten nicht die nötige Kleidung, im Winter froren wir. Unser Lager war mit Stacheldraht umzäunt, und von SS bewacht. Außer zur Arbeit, wohin wir mit Bewachung gingen, konnten wir das Lager nie verlassen, und selbstverständlich haben wir nie Besuch erhalten.
Sogar uns durch den Stachelzaun anzusprechen, war verboten, so daß wir keine Berührung mit der Zivilbevölkerung hatten. Die Bürger in Bremen haben keine Umwege gesucht um uns zu helfen, und überhaupt mit uns in Berührung zu kommen. Wir waren in ihren Augen bloß ein Mittel um den Schutt nach den vielen Bombardierungen wegzuräumen. Darin bestand unsere Arbeit. Diese Arbeit war natürlich nicht sehr geeignet für junge Mädchen und Frauen. Auf die Frage, was für Menschen waren die SS?
Meine gute Dame, Sie wissen doch selber, daß die SS nicht in menschliche Kategorien eingereiht werden können.
Anbei muß ich bemerken, daß mein Aufenthalt in Bremen im Vergleich zu Auschwitz und Bergen-Belsen ein "Kurhaus" war.
Unser einziger Trost war das herzliche und hilfsbereite freundliche Verhältnis der Frauen untereinander. Ein Beweis dafür, daß wir noch bis zum heutigen Tag, wenn wir uns begegnen, eine die andere Lagerschwester rufen.. weil wir wie Schwestern zueinander waren.
Zum Schluß noch so viel:
Neun Personen sind wir von Zuhause abtransportiert worden, und nur zwei, eine Schwester und ich, sind am Leben geblieben. Ich bin verheiratet, habe drei verheiratete Kinder, Gott sei dank, und habe auch Enkelkinder. Sehr geehrte Dame, ich hoffe, daß Ihre Bemühung den erhofften Erfolg haben wird, und die Menschheit endlich die Wahrheit über den Holocaust erkennen wird.

 

   
Zum AnfangZurückNach obenWeiter