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Malka B.
Es ist mir zwar sehr
schwer über dieses Thema zu schreiben, aber nachdem die Zahl
der Zeugen des Holocausts immer weniger werden, fühle ich mich
verpflichtet, dennoch auf ihre Fragen zu antworten. Mein Name kann
ruhig bemerkt werden, da ich nichts zu verheimlichen habe.
Mein Name ist Malka B. Ich war zur Zeit der Verfolgungen unverheiratet
und hatte noch keinen Beruf. Vor dem Kriege wohnte ich in Békéscsaba
in Ungarn. Im April 1944 wurde das Ghetto Békéscsaba
errichtet, wohin ich mit allen Juden der Stadt eingeliefert wurde.
Von diesem Sammellager wurde ich nach Auschwitz transportiert. Während
der Fahrt wurde uns mitgeteilt, daß wir in ein Arbeitslager
kommen werden. Was wir am Ende der Fahrt erlebten, ist mir heute,
nach so vielen Jahren immer noch unmöglich davon zu sprechen.
Die Erschütterung von der Grausamkeit des Empfanges war so
schrecklich und hinterließ in mir so einen tiefen, schmerzlichen
Eindruck, daß ich davon unmöglich sprechen kann.
Nie wußten wir was uns bevorstand. Wir wurden nicht als menschliche
Wesen betrachtet, hatten keinen Namen. Wir waren nur ein Objekt
von Mißhandlungen und verschiedenen Peinigungen.
Ohne uns etwas mitzuteilen, wurden wir wieder selektiert, und wie
Vieh einwaggoniert, ohne uns etwas von dem, was uns bevorsteht mitzuteilen.
Um zwei Uhr in der Nacht wurden wir durch das Bellen der SS aus
dem Waggon geschmissen, zu Kolonnen aufgereiht, und mußten
wiedermal hungrig, durstig, seelisch und physisch gebrochen, weiter
marschieren, ohne zu wissen, welche Grausamkeit wir wieder erleben
werden.
Nach einem langen Marsch wurden wir in ein Pferdestall unterbracht,
und das war unser neues "Heim". Nach unserem ersten Arbeitstag erfuhren
wir zufällig, daß wir in Bremen sind.
Wir schliefen auf dreistöckigen Schlafgestellen. Wir waren
nie satt. Wir hatten nicht die nötige Kleidung, im Winter froren
wir. Unser Lager war mit Stacheldraht umzäunt, und von SS bewacht.
Außer zur Arbeit, wohin wir mit Bewachung gingen, konnten
wir das Lager nie verlassen, und selbstverständlich haben wir
nie Besuch erhalten.
Sogar uns durch den Stachelzaun anzusprechen, war verboten, so daß
wir keine Berührung mit der Zivilbevölkerung hatten. Die
Bürger in Bremen haben keine Umwege gesucht um uns zu helfen,
und überhaupt mit uns in Berührung zu kommen. Wir waren
in ihren Augen bloß ein Mittel um den Schutt nach den vielen
Bombardierungen wegzuräumen. Darin bestand unsere Arbeit. Diese
Arbeit war natürlich nicht sehr geeignet für junge Mädchen
und Frauen. Auf die Frage, was für Menschen waren die SS?
Meine gute Dame, Sie wissen doch selber, daß die SS nicht
in menschliche Kategorien eingereiht werden können.
Anbei muß ich bemerken, daß mein Aufenthalt in Bremen
im Vergleich zu Auschwitz und Bergen-Belsen ein "Kurhaus" war.
Unser einziger Trost war das herzliche und hilfsbereite freundliche
Verhältnis der Frauen untereinander. Ein Beweis dafür,
daß wir noch bis zum heutigen Tag, wenn wir uns begegnen,
eine die andere Lagerschwester rufen.. weil wir wie Schwestern zueinander
waren.
Zum Schluß noch so viel:
Neun Personen sind wir von Zuhause abtransportiert worden, und nur
zwei, eine Schwester und ich, sind am Leben geblieben. Ich bin verheiratet,
habe drei verheiratete Kinder, Gott sei dank, und habe auch Enkelkinder.
Sehr geehrte Dame, ich hoffe, daß Ihre Bemühung den erhofften
Erfolg haben wird, und die Menschheit endlich die Wahrheit über
den Holocaust erkennen wird.
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